Erster Bericht des Sonderermittlers im Bremer Klinikskandal
22.08.2006 (Aus der Ärzte Zeitung)
Ex-Geschäftsführer soll "Pflichten gravierend verletzt und Befugnisse mißbraucht" haben / Beraterverträge und Gutachten ohne gültige Belege?
BREMEN (cben). Im Zusammenhang mit dem Bremer Klinik-Skandal und der Entlassung des Geschäftsführers des Klinikums Bremen Ost (KBO), Andreas Lindner, hat Gesundheitssenatorin Karin Röpke (SPD) den Sonderermittler Hans-Jürgen Ziemann eingesetzt. In einem Zwischenbericht präsentierte er Einzelheiten des Skandals. Lindner rechtfertigte indessen in einem Zeitungsinterview sein Verhalten.
Nach den ersten Ergebnissen aus dem Zwischenbericht hat Lindner offenbar Abmachungen und Geschäfte am Aufsichtsrat der Gesundheit Nord, der Holding zu der Bremen Ost gehört, vorbei betrieben. Er habe seine "Pflichten gravierend verletzt" seine Befugnisse mißbraucht und damit dem KBO "erheblichen Schaden zugefügt", so der Bericht.
Offenbar hat Lindner mehrere Beraterverträge abgeschlossen, zu denen, abgesehen von den Honorarüberweisungen, keine Spuren mehr zu finden sind. So hat Lindner zwar knapp 500 000 Euro für zwei Gutachten zu einem möglichen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Klinikum und eines zum OP-Management an die Firma Admed GmbH in Köln überwiesen, "aber wir haben weder Verträge noch Leistungen gefunden", sagte Ziemann.
Lindner hat zudem das KBO der Siekertal Betriebs GmbH in Bad Oeynhausen per Vertrag verpflichtet, ihre 90-Betten-Reha-Klinik in Rastede ständig mit 100 Geriatrie-Patienten aus Bremen zu belegen. Falls das nicht gelänge und die Zusammenarbeit mit Siekertal scheitere, müsse Bremen Ost die Klinik übernehmen und für die Pacht eintreten. Letzteres sei gegen den ausdrücklichen Willen des inzwischen entlassenen Staatsrates Arnold Knigge geschehen. Nachdem das Projekt gestoppt wurde, muß das Krankenhaus jetzt eventuell die Pacht zahlen.
Schließlich habe Linder mehr als 1000 überteuerte Nachtschränke für sein Haus geordert. Kostenpunkt: 7,3 Millionen Euro. Zwar sei noch kein Geld geflossen, aber die Zahlungsverpflichtung bestehe möglicherweise, so Ziemann. Die Nachtschränke sind für die KBO-Zimmer zu groß und könnten laut Ziemann wegen ihrer elektronischen Finessen erst nach einer Umbauinvestition von 1,2 Millionen Euro genutzt werden.
In einem Zeitungsinterview mit dem Bremer "Weser-Kurier" vom vergangenen Freitag verteidigte Lindner seine umstrittenen Entscheidungen. Die Investition für die Nachtschränke hätte sich über die Nutzungsgebühren der Patienten gerechnet. Und bei der Vereinbarung über die Rasteder Reha-Klinik habe er auf Betreiben Knigges reagiert. Als die Kooperation nicht zustande kam, seien auch beim Partner Siekertal Kosten aufgelaufen, die zu berücksichtigen gewesen seien.
Im September will Ziemann den Abschlußbericht vorlegen.
Ex-Geschäftsführer soll "Pflichten gravierend verletzt und Befugnisse mißbraucht" haben / Beraterverträge und Gutachten ohne gültige Belege?
BREMEN (cben). Im Zusammenhang mit dem Bremer Klinik-Skandal und der Entlassung des Geschäftsführers des Klinikums Bremen Ost (KBO), Andreas Lindner, hat Gesundheitssenatorin Karin Röpke (SPD) den Sonderermittler Hans-Jürgen Ziemann eingesetzt. In einem Zwischenbericht präsentierte er Einzelheiten des Skandals. Lindner rechtfertigte indessen in einem Zeitungsinterview sein Verhalten.
Nach den ersten Ergebnissen aus dem Zwischenbericht hat Lindner offenbar Abmachungen und Geschäfte am Aufsichtsrat der Gesundheit Nord, der Holding zu der Bremen Ost gehört, vorbei betrieben. Er habe seine "Pflichten gravierend verletzt" seine Befugnisse mißbraucht und damit dem KBO "erheblichen Schaden zugefügt", so der Bericht.
Offenbar hat Lindner mehrere Beraterverträge abgeschlossen, zu denen, abgesehen von den Honorarüberweisungen, keine Spuren mehr zu finden sind. So hat Lindner zwar knapp 500 000 Euro für zwei Gutachten zu einem möglichen Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) am Klinikum und eines zum OP-Management an die Firma Admed GmbH in Köln überwiesen, "aber wir haben weder Verträge noch Leistungen gefunden", sagte Ziemann.
Lindner hat zudem das KBO der Siekertal Betriebs GmbH in Bad Oeynhausen per Vertrag verpflichtet, ihre 90-Betten-Reha-Klinik in Rastede ständig mit 100 Geriatrie-Patienten aus Bremen zu belegen. Falls das nicht gelänge und die Zusammenarbeit mit Siekertal scheitere, müsse Bremen Ost die Klinik übernehmen und für die Pacht eintreten. Letzteres sei gegen den ausdrücklichen Willen des inzwischen entlassenen Staatsrates Arnold Knigge geschehen. Nachdem das Projekt gestoppt wurde, muß das Krankenhaus jetzt eventuell die Pacht zahlen.
Schließlich habe Linder mehr als 1000 überteuerte Nachtschränke für sein Haus geordert. Kostenpunkt: 7,3 Millionen Euro. Zwar sei noch kein Geld geflossen, aber die Zahlungsverpflichtung bestehe möglicherweise, so Ziemann. Die Nachtschränke sind für die KBO-Zimmer zu groß und könnten laut Ziemann wegen ihrer elektronischen Finessen erst nach einer Umbauinvestition von 1,2 Millionen Euro genutzt werden.
In einem Zeitungsinterview mit dem Bremer "Weser-Kurier" vom vergangenen Freitag verteidigte Lindner seine umstrittenen Entscheidungen. Die Investition für die Nachtschränke hätte sich über die Nutzungsgebühren der Patienten gerechnet. Und bei der Vereinbarung über die Rasteder Reha-Klinik habe er auf Betreiben Knigges reagiert. Als die Kooperation nicht zustande kam, seien auch beim Partner Siekertal Kosten aufgelaufen, die zu berücksichtigen gewesen seien.
Im September will Ziemann den Abschlußbericht vorlegen.
Skiz - 22. Aug, 17:18